die letzten tage des homo sapiens….

Mein Blog zieht um.

2. März 2011

Ab sofort schreibe ich hier -  http://blog.snafu.de/traklprosa/ weiter, da ich mit diesem Blog hier immer wieder technische Probleme habe.

Keith Jarrett und Patschuli

1. März 2011

Eben spielten sie auf NDR Kultur einen Teil von Keith Jarretts Köln-Konzert. Eigentlich ist Jarrett nicht so mein Ding, aber in der richtigen Stimmung kommt diese Musik ganz gut. Macht mich immer etwas wehmütig, da eine meiner Exen verrückt nach Keith war, und wenn ich mich recht erinnere, habe ich ihr das Köln-Konzert seinerzeit geschenkt.
Aus irgendeinem Grund hatte ich beim Hören ganz deutlich den Geruch von Patschuli in der Nase. Verdammt, morgen zieh ich los und hole mir ein Fläschchen von dem Zeug, das brauche ich mal wieder. Nirgendwo riecht man heute noch Patschuli. In den 1970ern war das anders, damals wurde man auf jeder Fete regelrecht betäubt davon. Ach ja, die Siebziger…

Temporäre Problemverlagerung nach Dr. alc. Vollrausch

20. Februar 2011

In der “titanic” schrieb vor längerer Zeit mal jemand, daß diejenigen keine Ahnung vom Saufen hätten, welche von sich behaupten : “Also, ICH kann auch ohne Alkohol fröhlich sein.” Sinn und Zweck des Alkoholtrinkens sei nie und nimmer das Fröhlich-sein, sondern einzig und allein das Betrunken-sein. Die Fröhlichkeit wäre lediglich ein mitunter während des Betrinkens auftretender, kurzfristiger Nebeneffekt. Wahr gesprochen und trefflich erwogen.
In letzter Zeit beobachte ich an mir selbst allerdings, daß es noch einen weiteren guten Grund gibt, sich gelegentlich so richtig die Kante zu geben, und das ist der Kater am nächsten Tag. Natürlich ist es nicht wirklich schön, stinkend, schreckhaft, mit zitternden Fingern, verquollener Fresse und dröhnendem Schädel durch die Wohnung zu wackeln. Aber zum einen ist da die beruhigende Gewißheit, daß dieser Zustand nach einiger Zeit wieder abklingen wird. Zum anderen drängt der Katzenjammer, solange er andauert, alle anderen Probleme nach hinten bzw. überlagert sie. Für eine gewisse Zeit HAT man einfach keine anderen Sorgen als die, nicht auseinderzufallen. Wenn der Kater dann endlich verschwunden ist, fühlt man sich ein wenig wie neugeboren, jedenfalls geht es mir so. Und zwar gerade jetzt im Moment.

Gutti und kein Ende

20. Februar 2011

Auf jeden Fall muß man dem adeligen Drecksack für eins dankbar sein : seine Betrüger-Dissertation und das ganze Drumherum sorgen für ausgelassene Heiterkeit auf allen Kanälen. Allein schon die Kommentare auf “GuttenPlag Wiki” sind teilweise ganz großes Tennis -

“Langsam tut einem Gutti ja fast leid. Ich hoffe wirklich aufrichtig, dass er demnächst weder auf einer Pressekonferenz sein Ehrenwort abgibt, “dass die gegen mich erhobenen Vorwürfe haltlos sind” noch eine Reise nach Genf plant.”
Antwort : “Reisen soll ja den Horizont erweitern.”
Antwort : “Und Genf soll um diese Jahreszeit wunderschön sein.”

“Gibt es von der Uni Payreuth eigentlich eine Liste auf der steht wieviel jeder Abschluss kostet?”
Antwort :  “Ja, aber der Umrechnungskurs von Gutti zu Euro liegt noch nicht vor.”
Antwort : “Pro Person max. 1 Bachelor, kannst aber upgraden auf ein Master, kostet dann 4,99. Für nen 10er gibts noch ein Abendessen mit Gutti obendrauf!”
Antwort : “Essen und anschließendes Bunga-Bunga mit seiner Schnalle inklusive?”
Antwort : “Ihr wisst schon was BUNGABUNGA im eigentlichen Sinn bedeutet, ihr Schweine?”
Antwort : “So Gott will, ja!”
Antwort : “Gott will.”

“Also, noch jemand Lust auf BungaBunga? MfG Silvio”
Antwort :  “Dann zieh bitte erstmal deine Stöckelschuhe aus”
Antwort : “Ich bin bereit! MfG Silvio”
Antwort : “Wo bist du denn? Ich seh dich gar nicht. - Ach, da unten.”
Antwort : “nee, würd jetzt gerne eben noch meine doktorarbeit zu ende bringen …”
Antwort : “gut, dann warten wir auf dich. sind 5 min okay?”
Antwort : “in 5 minuten schaffe ich noch die Habilitationsschrift, summa cum versteht sich *kopieren abeschlossen”, also dann BungaBunga Prof. Dr. Honigtau Bunsenbrenner”
Antwort : “Aber mach hinne. Und wenn die Zeit knapp wird, du weißt ja: geschissen auf den Doktor. (F.J.Wagner)”

…. und so weiter. Es ist einfach nur schön. Der bisher schönste Teil ist dieser :

“Ob Plaggi auch nicht schlafen kann?”
Antwort : “vermutlich kopiert er nachts die texte, wenn´s keiner merkt.”
Antwort : “angeblich brennt ja das licht auf schloss guttenplag”
Antwort : “Ach, ’schreibt’ er jetzt demnach an seinen Memoiren?”
Antwort : “”Karlchen, mach leise wenn du kopierst! Die Kinder schlafen.” LG Steffi”

Das alles gibt mir doch wieder ein klein wenig Hoffnung bezüglich meiner doitschen MitbürgerInnen - zumindest, soweit sie keine regelmäßigen Leser der Springer-Presse und Inhaber eines IQ sind, der oberhalb ihrer Schuhgröße liegt.

Und weiter geht´s -

“Bin gespannt was man sich einfallen lässt um Googleberg aus der Affaire zu ziehen! Das war sein böser Zwillingsbruder der seit seiner Geburt im Schlossverlies mit einem Spielzeugpferdchen eingekerkert ist; Caspar von und zu Googleberg.”

“Wenn der 2017 Bundeskanzler wird, dann wird die “Raubkopie” in “Kopierfehler” umbenannt. Vielleicht sollte man ihm doch nicht seiner rechtmäßigen Aufklärung zuführen, sondern lieber unterstützen !”
Antwort : “Dann dürfen die armen Lehrer in der Schule aber nicht mehr von “ungeschütztem Geschlechtsverkehr”, sondern vom “Kopiervorgang” reden.”

“Können wir mal den Rassismus lassen? Viele Staaten in Lateinamerika werden momentan deutlich besser geführt, als diese Bratwurst- und Sauerkrautrepublik.”

“Gott hat der Elite ein 11. Gebot gegeben: Du darfst dich nicht erwischen lassen.”

“Karl-Theo von Guttenberg ist die stinkfaulste Bratze seit Ole von Beust. Der hätte sich bis zum Kanzleramt gemogelt.”

“Wer von euch hat in der Schule nicht mal abgeschrieben oder gespickt oder ähnl.?”
Antwort : “Ich.”
Antwort : “Ich auch”
Antwort : “Der Karl Theodor. Der hat nie wo was abgeschrieben.”

“Herr Guttenberg ist ein grundehrlicher Mensch. Das sieht man doch, und die grosse Mehrheit der Bevölkerung sieht es auch: können diese Augen lügen? Sicher nicht. Auch der Herr Schäuble sagt es ganz treffend: “Jedem passiert auch mal vielleicht ein Fehler”. Und überhaupt: “Wer ohne Schulden ist, der werfe den ersten Schein”"
Antwort : “also los: stein her….  :-)
“wieso werden wir hier eigentlcih ständig gefragt, wer den ersten schuh werfen will.
wenn man so ne frage ständig hört, irgendwann antwortet man.
JA, GIB HER DEN MOKASSIN.”"
Antwort : “YEAH….ich ….gebt mir einen stein…ich tu’s”

“zum 13.: Und traue keinen braun gebrannten Herren in Anzügen, die Gel benutzen und anscheinend noch nie sozialversicherungspflichtig beschäftigt waren. Weise sie von dir…auch wenn sie dich anlächeln und dir die Hand schütteln… “

Supi-Gutti autschi autschi!

18. Februar 2011

An manchen Tagen macht sogar mir das Leben richtig Spaß. Heute ist so ein Tag. Dabei zuzusehen, wie die fliegende Festung Guttenberg einen Flak-Treffer nach dem anderen einfängt und sich in der Luft in ihre schmierigen Bestandteile zerlegt, ist ein wahrer Hochgenuß.
Was für eine peinliche Nummer, es ist kaum zu fassen. Und solche Vögel vertreten wirklich das doitsche Volk und sagen, wo es langgeht?
Dieser adelige Schleimbeutel greift aber auch zur Zeit immer wieder bis zum Ellenbogen in´s Klo. Und heute dreht dann auch noch ein afghanischer Soldat in exakt dem Außenposten durch, wo Supi-Gutti grad genächtigt hatte, und erschießt einen doitschen Spielzeugsoldaten (update : drei davon). Wahrscheinlich war das ein afghanischer Akademiker, der kein summa cum laude für seine Doktorarbeit bekommen hatte.

Und morgen soll dem aalglatten Blaublut der Orden wider den tierischen Ernst verliehen werden. Hoffentlich hat er nicht auch bezüglich seiner Humorkapazität geschummelt.

Burn Motherfucker burn

16. Februar 2011

So, nun sind wohl auch die ersten Flüchtlinge aus Ägypten in Italien angekommen. Ist zwar noch nicht “verifiziert” worden, aber selbst wenn es diesmal noch keine Ägypter waren - die werden schon noch kommen. Und die anderen auch.
Natürlich kann und sollte man davon ausgehen, daß diese ganze Flüchtlingsgeschichte bestimmten Interessengruppen gut in den Kram paßt und dementsprechend breitgetreten wird. Und so sieht auch die Berichterstattung aus - die Ansammlung von Galgenstricken und Halsabschneidern, die da etwa auf den Fotos auf tagesschau.de an den Zäunen der Festung Europa rüttelt und skandiert “Wir woll´n Arbeit!”, ist schon bemerkenswert und erinnert mich irgendwie an bestimmte Propagandafilme aus der Nazizeit.
Nichtsdestotrotz ist es eine wohl unbestreitbare Tatsache, daß zur Zeit eine nicht geringe Menge von Leuten den Weg nach Europa sucht, die hier auf der Suche nach einem für ihre Verhältnisse besseren Leben ist. Und des weiteren ist es absehbar, daß diese Menge immer größer werden wird, ob aufgrund von politischen Veränderungen, von Kriegen oder von Umweltproblemen bzw. Naturkatastrophen. Und natürlich wird das auch zu einschneidenden Veränderungen für die Bevölkerung in Europa führen.

Zum einen wird es eine Radikalisierung von großen Teilen der Bevölkerung geben, deren Beginn sich bereits jetzt abzeichnet, zum Beispiel in der Schweiz. Aber auch in Deutschland wird der Ton schärfer - z.B. wird in einem Leserkommentar bei “Welt Online” ganz offen dazu aufgefordert, auf die Flüchtlinge aus Tunesien zu schießen (”schnell, hart, konsequent sagt: Sie brauchen keine Hilfe, sie haben alles was es hierzu braucht vor Ort. 5,56/7,62/9mm - gerne auch mehr. Bestraft die Ersten, erzieht dadurch potentiell Nachfolgende und der Spuk hat ein Ende noch bevor er zum Alptraum wird.”), ohne daß jemand etwas dagegen sagen würde; im Gegenteil haben bisher 28 andere diesem Kommentar einen Hochdaumen verpaßt, Daumen runter : Zero. Wie das erst aussehen wird, wenn mal wirklich große Mengen von Flüchtlingen an die Tür klopfen, ist leicht abzusehen. Smells like `33.

Zum anderen werden wir im verhältnismäßig reichen Europa enger zusammenrücken und das was wir haben teilen müssen. Naja, nicht wir alle, nur ein Teil der Bevölkerung. Und wer wird das sein, wer wird das Vergnügen haben und sich einen dicken Batzen Karma-Punkte verdienen dürfen? Nun, wäre es eine Oscar-Verleihung, dann würde jemand mit ein paar Briefumschlägen rascheln, einen davon aufreißen, und dann verkünden : “Ladys and Gentlemen, the winner is…. der kleine Mann und die kleine Frau!” Oder denkt etwa wirklich irgendwer, daß die etwa 10% der Bevölkerung, die sich den größten Teil des Kuchens unter den Nagel gerissen haben, dann plötzlich die Milch der frommen Denkungsart entdecken und ihre Geldspeicher und Herrenhäuser für diese ganzen bedauernswerten Globalisierungsopfer öffnen werden? Ich denke das nicht. Ich denke, daß die, solange es noch irgendwie möglich ist, NOCH mehr zusammenraffen werden und sich hinter hohen Mauern und Panzerglas verbarrikadieren werden. Genau DAS passiert nämlich zur Zeit. Während überall eingespart wird, daß die Schwarte kracht, saugen sich die Herrschaften mit den dicken Bankkonten voll wie der gute alte Dagobert Duck in Höchstform. Die Börsenkurse gehen durch die Decke, die Boni für Bankmanager werden immer fetter und in einschlägigen Wirtschaftsblogs prahlen die Krisengewinner mit ihren fetten Profiten.

Die Kommunen in Doitschland haben sich derweilen mit ihren windigen Cross-Border-Leasing-Geschäften einerseits und mit extrem teuren Prestigeobjekten andererseits zu einem großen Teil in die Pleite getrieben und schieben ihre leeren Kassen jetzt auf die ausufernden Sozialausgaben. Darüber, daß die Transfergeld-Empfänger praktisch jeden Cent ihrer Bezüge vor Ort ausgeben und damit die lokale Wirtschaft fördern (während die Leistungsträger ihren Zaster mit Vorliebe gewinnbringend anlegen oder auf den Malediven verjubeln), schweigt des Sängers Unhöflichkeit. Wenn nun tatsächlich immer mehr Flüchtlinge auf die Kommunen verteilt werden müssen, dann dürfte es das wohl endgültig gewesen sein.

Es scheint mir irgendwie so, als ob genau die Leute, die es besser wissen müßten, darauf hinarbeiten, daß es endlich zum großen Knall kommt. Und möglicherweise tun sie das auch, eben WEIL sie es besser wissen. Erst stützen sie jahre- und jahrzehntelang irgendwelche hundsgemeinen Diktatoren und schieben denen Milliarden in den Arsch, scheißen Dritte-Welt-Länder mit Entwicklungshilfe-Geldern zu, von denen sie genau wissen, daß die auf Schweizer Bankkonten statt bei der Bevölkerung landen, und dann sehen sie erstaunt zu, wie ihre Kumpels aus dem Land gejagt werden. Dann kriegen sie sich gar nicht mehr ein vor Freude über diese demokratische Entwicklung. Und dann wundern sie sich, daß diejenigen, die nicht mal einen Nagel besitzen, mit dem sie sich am Arsch kratzen können, die plötzliche Freizügigkeit nutzen, um sich auf den Weg an den Freßtrog zu machen. Gleichzeitig lassen sie ihre Hofbericht-Erstatter permanent Panik verbreiten. Einerseits sterben hierzulande die Fachkräfte aus, andererseits werden wir angeblich von Horden von Wirtschaftsflüchtlingen überrannt.
Wirtschaftskrise! Klimakatastrophe! AIDS! Kometeneinschlag! Peak Oil! Taliban! Merkel! Stuxnet! China! Buh! Bah! Um Gottes Willen! ANGST UND SCHRECKEN IN LAS VEGAS! Die Frage ist nicht, OB es passiert, sondern nur WANN!
Und das blöde Volk hechelt hinterher und läßt sich nur zu gern erschrecken. Es gruselt sich so schön daheim im Ohrensessel vor der Glotze, wenn der Ofen bullert und sich die Katze auf der Fensterbank putzt. Es passiert ja auch nie wirklich was, keiner der angekündigten Weltuntergänge trifft wirklich ein. Es ist, als würde jemand immer wieder “Feuer” rufen, aber wenn man dann mit dem Eimer losrennt, brennt es doch nicht.
Im Forum von tagesschau.de, in dem soviele Leute so unglaublich viel Blödsinn schreiben, fand sich kürzlich ein wirklich guter Kommentar. In welchem Zusammenhang, habe ich vergessen, aber das ist auch unwichtig. Man dürfe, so hieß es da, diese ganzen Meldungen, die täglich auf uns einprasseln, nicht als Einzelmeldungen betrachten, sondern müsse sie als einen Strom sehen. Und genau so ist es. Die einzelne Meldung, egal wie spektakulär sie ist, spielt überhaupt keine Rolle. Man muß sich ansehen und sich überlegen, in welche Richtung sich der Gesamtstrom dieser Unmenge von Nachrichten bewegt - es wird ständig “ALARM!” gebrüllt, immer und immer wieder, so lange bis die Konsumenten dieses Nachrichtenterrors völlig abgestumpft sind und nur noch Jaja sagen, wenn mal wieder die Welt auf den Abgrund zusteuert. Nur - wenn es dann wirklich mal brennt, dann läuft keiner mehr los, um zu löschen.

Und, meiner bescheidenen Meinung nach, brennt es bereits lichterloh. Das Dach steht in Flammen - “The roof, the roof, the roof is on fire, we don´t need no water, let the motherfucker burn, BURN MOTHERFUCKER BURN!” (Bloodhound Gang - “Fire Water Burn”) Es ist sowieso alles längst zu spät, es lohnt sich garnicht mehr zu löschen, es brennt an allen Ecken und Enden, bald wird das ganze Scheiß-Gebäude zusammenbrechen. Und keiner kommt da lebend raus.
Angesichts des ganzen Wahnsinns und Horrors, der den Menschen Tag für Tag und in immer rasenderer Abfolge vor den Latz geknallt wird - was wäre da eine rationale, logische und “normale” Reaktion? Jeder normale, vernunftbegabte Mensch hätte doch schon längst sagen MÜSSEN : “Halt, Stop! Irgendwas läuft hier total verkehrt, so geht es nicht weiter. Wir müssen mal auf die Bremse treten und rechts ranfahren, erstmal alles sortieren und durchchecken.” Aber kaum jemand sagt das, und, viel wichtiger, niemand TUT das. Die Karre rast mit atemberaubendem Tempo auf eine massive Betonmauer zu und alle Insassen sehen dabei zu und mampfen Popcorn.
Nur mal so als Beispiel : Silvio Berlusconi
. Klar, davon geht die Welt nicht unter und das ist ja noch eher lustig, aber, bitteschön, mal ganz ehrlich, was geht denn da eigentlich ab?! Ich meine, Yo, das ist der Ministerpräsident eines nicht ganz unbedeutenden Staates, der maßgeblichen Einfluß auf die Politik Europas und damit der gesamten Welt hat, und der führt sich auf wie Rumpelstilzchen im Amphetaminrausch, und alle gucken sich das an und lassen den weitermachen. Ich nehme mal an, daß auch in Tunesien ferngesehen und Zeitung gelesen wird; was sollen die sich denn dabei denken? Was würde ich mir wohl denken, wenn ich in der Medina von Tunis in einer kleinen Dreckswohnung mit 15 Familienmitgliedern leben und jeden Tag sowas lesen und hören würde? Klar, ich würde mir denken : “Hey, das ist der größte Puff der Welt, da will ich auch hin, ist ja nicht weit weg, los geht´s, party on, Wayne!”

Und damit bin ich dann wieder bei den Flüchtlingen angekommen. An dieser Problematik lässt sich mal wieder auf das Trefflichste erkennen, wie dumm und kurzsichtig sich die Menschheit verhält. Daß sich früher oder später Heerscharen von Flüchtlingen in Richtung Europa schieben werden, ist so sicher wie das bekackte Amen in der Kirche. Wahrscheinlich eher früher als später. Das Bevölkerungswachstum in den ärmeren Ländern läuft ungebremst weiter, gleichzeitig werden durch alle möglichen Katastrophen, Kriegshandlungen, Mißernten und nicht zuletzt durch den Anbau von Monokulturen zur Spritproduktion immer mehr Anbauflächen vernichtet oder auf lange Zeit unbrauchbar. Diese Entwicklung kann sich jeder Depp am Arsch abfingern. Die einzige Möglichkeit zum Gegensteuern wäre es, das Bevölkerungswachstum einzudämmen und den Leuten in den armen Ländern dabei zu helfen, sich selbst zu versorgen.
Das aber wird nicht getan, und so wird es kommen, wie es kommen muß : In absehbarer Zeit werden wir hier an unseren Grenzen stehen und auf zerlumpte, ausgemergelte Gestalten schießen, bis die Läufe glühen, aber es werden immer mehr kommen und über die Leichen kriechen und auf uns zu wanken wie Untote und wenn die letzte Patrone verschossen ist, werden sie uns mit ihren dürren Händen das Fleisch von den Knochen reißen… kein Wunder, daß Zombiefilme in letzter Zeit wieder so angesagt sind; das ist die Manifestation der Vision einer nahen Zukunft.

Aber wir Menschen können nichts dafür; wir sind Sklaven unserer Gehirne, auf die wir so stolz sind. Hoimar von Ditfurth, er möge in tiefem Frieden ruhen, erläuterte in seinem Buch “Der Geist fiel nicht vom Himmel”, daß unsere Augen ein Vielfaches an Informationen von dem wahrnehmen können, was im Gehirn überhaupt verarbeitet werden kann. Wir sehen also kein Bild von der Welt, wie sie wirklich ist, sondern nur eine sehr eingeschränkte Interpretation der Realität. Das wäre aber, so Hoimar, schon ganz okay so, denn wenn wir wirklich ALLES wahrnehmen könnten, was da ist, wären wir gar nicht mehr in der Lage, mit der Welt klarzukommen. “Was das Auge dem Zwischenhirn weiterreicht, hat mit einem Bild nicht mehr die geringste Ähnlichkeit. Das sollte uns nicht mehr überraschen, denn wir erinnern uns, daß die Aufgabe, zu deren Lösung die Augen entwickelt wurden, nicht die war, ein Bild der Umwelt zu liefern. Die Botschaft, die schließlich im optischen Zentrum des Zwischenhirns, im Kniehöcker, eintrifft, ist also nicht mehr objektiv - sie ist eine, nach sehr vielen Gesichtspunkten erfolgte, äußerst beschränkte Auswahl aus der Informationsfülle, die in den Netzhäuten eintraf….”
Und so ist es wohl nicht nur mit dem Sehen, sondern mit der Gesamtwahrnehmung unserer Umwelt. Mit Tunnelblick volle Kanne an die Mauer. Ab dafür.

Buschwinkel-Alarm auf Lampedusa

14. Februar 2011

“Wir freuen uns mit dem und für das Volk von Tunesien zu der Überwindung des kleptokratischen und autoritären Regimes unter unserem guten Geschäftspart… ääh, dem Despoten Ben Ali und versichern Ihnen, daß wir alles in unserer Macht stehende tun werden, um… öhmm…. wo laufen Sie denn alle hin? Hallo? Halloooo?!”

Irgendwie bekomme ich dieses manische und hämische Grinsen überhaupt nicht mehr aus dem Gesicht, wenn ich mir all die Verrenkungen vorstelle, die UNSER kleptokratisches und autoritäres Regime dieser Tage vollführen muß, um der Entwicklung auch nur ansatzweise glaubhaft hinterherzuhecheln. Und wenn ich mir das kleine, hilflose, eingefrorene Lächeln all jener Gutbürger vorstelle, die in den letzten Tagen und Wochen so wohlwollend und gutfindend die “Jasmin”-Revolution und die in Ägypten verfolgt haben und die jetzt mit gefurchter Stirne über ihrer Morgenzeitung hocken und vor ihrem geistigen Auge Heerscharen von ausgemergelten Afrikanern an ihre Türen bollern, ihre Geländewagen klauen und ihre Töchter vögeln sehen. Har-har-har. So kann es kommen, so schnell wird aus scheinheiliger Anteilnahme nackte Angst.

Die ganze Sache ist mal wieder derart abgefahren, daß sich das kein Mensch hätte ausdenken können - da zündet sich ein Mann selbst an, angeblich aus Protest, nachdem sein Gemüsestand mehrfach geschlossen, seine Waren beschlagnahmt wurden und er dann noch auf der Polizeiwache verprügelt wurde. Später versichert seine Familie, es sei ein Unfall gewesen, “Bouazizis Bruder Salem und seine Schwester Leila dementierten, dass es sich um einen Suizid handelte. Leila meinte, dass es ein Unfall gewesen sei. Er habe sich mit Benzin übergossen, da er die Schande nicht ertragen habe, von einer Frau geohrfeigt worden zu sein. Fluchend und zeternd sei er herumgesprungen und dabei habe er offenbar aus Versehen mit seinem Feuerzeug einen Funken geschlagen, der ihn in Brand steckte.” (Wikipedia) So oder so, es ist tragisch und all das, aber… irgendwie auch wahnsinnig komisch.
Jedenfalls führt dieser Flammentod dazu, daß das ganze Volk vom Teller dreht und seinen Präsidenten zum Abdanken zwingt (der bei mehreren Wahlen mit jeweils über 99% der Stimmen gewählt wurde). Der miese fiese Despot verläßt fluchtartig das Land, seine Frau steckt sich vor der Flucht noch kurz 1,5 Tonnen Gold in´s Dolce&Gabbana-Handtäschchen.

Und der brave doitsche Zeitungsleser und Tagesschaugucker freut sich und denkt : Heissa, endlich haben mal wieder die Guten gewonnen und den Bösen verjagt, lasst uns diese wackeren Tunesier willkommen heißen im Kreis der Demokraten… Ja, Scheiße, was? Ein paar Wochen später fällt nämlich dem halben Volk ein, daß es irgendwie keinen Bock mehr auf sein Drecksland hat, und erinnert sich, daß es da im Norden dieses sagenhafte El Dorado gibt, wo jeder Mercedes fährt und die Taschen voll Geld hat und wo die blonden Weiber total geil auf dicke fette Afrikaner-Pimmel sind, und - hossa - schnell wird zusammengelegt und ein Boot gekauft und ab geht´s in das gelobte Land, wo Milch und Mösensaft in Strömen fließen. 

Flüchtlinge, ja… Da ich einen Großteil meines Lebens auf der eher schattigen Seite unserer wundervollen kleinen Insel der Glückseligen verbracht habe, kenne ich mich auch mit diesem Thema ein wenig aus. Mitte der 1990er war ich in meiner Heimatstadt nahe der dänischen Grenze als Taxifahrer tätig. Wenn über Funk die Meldung “Buschwinkel-Alarm in der und der Straße” kam, bekamen die Kollegen leuchtende Augen und ließen die Kaffetassen fallen und die Reifen qualmen, denn mit Glück war da eine fette Tour nach Hamburg drin. Es kam nämlich garnicht so selten vor, daß mitten in der Nacht mehrere schwarze Gestalten aus einem Gebüsch brachen, hektisch winkend ein vorbeifahrendes Taxi stoppten und als Fahrtziel Hamburg nannten. (”Winkel” war oder ist noch die interne Bezeichnung für Fahrgäste, die sich ein sprachlich äußerst kreativer Kollege hatte einfallen lassen, nachdem er beobachtet hatte, daß viele Leute vor dem Einsteigen in´s Auto eine merkwürdige 90°-Drehung machen, einen Winkel eben - ich höre noch die Stimme im Lautsprecher, wenn ein Wagen besetzt wurde : “Winkllll” oder “Du wirst bewinkelt”. “Buschwinkel”, weil diese speziellen Fahrgäste eben aus dem Busch kamen, im doppelten Sinne.)
Eine Tour nach Hamburg brachte damals um die 200.- DM (das war noch dieses richtige Geld, Ältere werden sich erinnern), und da die meisten Fahrer auf 40%-Basis fuhren und die Strecke hin und zurück in drei Stunden oder weniger geschmettert wurde, ergab das einen ordentlichen Stundenlohn. Die Afrikaner wollten immer nach Hamburg und verschwanden dort in diversen Asylanten-Heimen, von wo aus sie dann ihre Karriere als Drogenhändler starteten. (Einige der schwarzen Jungs mußte man darauf aufmerksam machen, sich mal den weißen Ring um ihre Nasenlöcher wegzuwischen.)
Die Kosten für den Transfer vom Heimatland bis zum Ziel lagen, wenn ich mich recht erinnere, bei 3000 US-Dollar - für das Rundum-Sorglos-Programm. Eigenartigerweise kamen die Afrikaner grundsätzlich über Skandinavien nach Deutschland, während die Araber den umgekehrten Weg nahmen - die wollten alle nach Norden.

Heutzutage ist das natürlich alles viel einfacher geworden - sobald ein potentieller Asylant den Fuß in irgendein Land setzt, das dem Schengener Abkommen angeschlossen ist, hat er freie Bahn mit Marzipan. “Der „Schengener Besitzstand“ bildet einen wesentlichen Pfeiler des “Raumes der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts” der Europäischen Union.” (Wikipedia) Und es ist schön, so frei und so sicher zu sein und soviel Recht zu haben. Natürlich auch für Jeden und Jede, dem oder der es im eigenen Herkunftsland nicht mehr gefällt und der oder die deshalb die Gastfreundschaft des guten, alten Europa in Anspruch nehmen möchte. Solange in den meisten dieser Spenderländer irgendwelche Despoten fest im Sattel saßen, die mit fetten Schmiergeldern bei Laune gehalten wurden, war das ja anscheinend auch kein Problem. In Tunesien zum Beispiel hat Ben Ali wohl gut aufgepaßt, daß kaum eines seiner Schäfchen den Stall verlassen konnte. Nur, nachdem dieser fluchende Gemüsehändler sich da abgefackelt hat und der Chef das Land verlassen mußte, ist umgehend die gesamte Organisation zusammengebrochen, die Mäuse tanzen auf den Tischen und die Leute hauen in Scharen ab. Italien, das die Hauptlast dieses Ansturms auffangen muß, findet das wohl nicht so gut, und Innenminster Maroni hat den tunesischen Behörden vorgeschlagen, italienische Polizisten in Tunesien einzusetzen. “Die Idee lehnte ein Regierungssprecher in Tunis brüsk mit der Bemerkung ab, Maroni sei ein rechtsextremer Rassist.” (tagesschau.de)

Derweil stapeln sich die Flüchtlinge auf Lampedusa : “Diejenigen, die es geschafft haben werden jetzt auf Lampedusa betreut. Alle haben die gleichen Motive: “Alle, die ihr hier seht, kommen aus Tunesien, wir haben Angst. Unsere Revolution hat nichts verändert. Wir wollen nur die Möglichkeit, in Europa zu arbeiten. Ich rede nicht allein von Italien, sondern von ganz Europa. Wir bitten das italienische Volk: Helft uns!”(tagesschau.de) … vielleicht habe ich irgendwas falsch verstanden, aber müßten die nicht wenigstens so TUN, als ob die politisch verfolgt würden? Andererseits wäre das natürlich schwer zu erklären, da ja angeblich in Tunesien gerade die Diktatur beendet wurde.

Ich finde das alles nur geil. Ich lehne mich behaglich zurück, verprasse spätrömisch-dekadent meine Stütze und freue mich auf die vielen neuen Gesichter und die vielen freundlichen Menschen, die da nun auf uns zukommen. Aus Tunesien, Ägypten, dem Jemen, Jordanien, Aserbaidschan…. Ab dem 1.5. fällt dann auch noch die Arbeitsbeschränkung für Polen u.s.w., und somit kann ich mich nunmehr endgültig von dem Gedanken verabschieden, hierzulande irgendwann noch einmal einer geregelten beruflichen Tätigkeit nachzugehen bzw. nachgehen zu müssen. Für jeden Job, den ich machen könnte, werden 20, 50, 100 oder mehr Leute bei Fuß stehen, die jünger, motivierter und anspruchsloser sind als ich. Und ich muß mir auch keine Sorgen machen, daß mir einer was tut oder was wegnimmt von dem wenigen, das ich noch besitze, denn “Angesichts der Ereignisse in Tunesien und Ägypten hat Kanzlerin Merkel versprochen, bei Menschenrechten keine Kompromisse mehr machen zu wollen.” (tagesschau.de) Und ich kann wohl sicher davon ausgehen, daß dieses Versprechen auch meine Person einschließt.

Wenn ich noch etwas zu verlieren und was zu sagen hätte, dann würde ich das Ganze vielleicht etwas weniger entspannt sehen und mir etwas gröbere Gedanken machen. Dann würde ich mich fragen, WAS FÜR LEUTE eigentlich die Möglichkeit haben, das Geld für ihre Flucht aufzutreiben, wo dieses Geld herkommt, und ob das nicht eventuell GENAU DIE sind, die vorher gedealt, geklaut, gefoltert und gekillt haben, und ob ich die wirklich hier haben möchte.  Möglicherweise würde ich an Kampfhubschrauber denken, die über dem Mittelmeer kreisen und jede beschissene Nußschale mitsamt ihrem Inhalt zu den Fischen schicken - aber da ich kaum etwas zu verlieren und überhaupt nichts zu sagen habe, lasse ich nur einen fröhlichen Pups, schraube das nächste Bier auf und sage : Weiter so, Kinder, ganz großes Kino!

Ungeformter Stuhl vom Nil

11. Februar 2011

“Mubarak bleibt - explodiert jetzt die Gewalt?” (tagesschau.de). “Ägypten wird explodieren. Die Armee muß das Land jetzt retten!” (ElBaradei via sueddeutsche.de) -
“Ja, wir sind hier vor Ort auf dem Tahrir-Platz, und jetzt muß es jeden Moment losgehen… drei zwei eins… Ah, ich höre grad, Hoschi Rumburak wird sich an das Volk wenden, er wird wohl seinen Rücktritt bekannt geben, sensationell, stoppt die Druckpressen… Jetzt spricht der Diktator  : “Nö, ätschbätsch, ich bleib doch, ihr könnt nach Hause geh´n!”, na dann gehts jetzt aber bestimmt los… das wird ne mächtige Explosion, los Mann, machen Sie den Mund weit auf!”
“Hä, wieso´n ditte?”
“Na, wegen der Druckwelle, sonst platzt das Trommelfell, Mann, haben Sie denn nicht gedient?”
“Nee, icke war T5 jemustert jewesen, wejen meim Rücken, und ´n büschen mohndoof wär ick ooch, ham die jesacht…”

Jaja, und so weiter und so fort. Seit Tagen warten die ganze Welt auf ein ordentliches Blutbad, und was passiert? Die werfen da mit Schuhen und rufen “Hau ab!”. Menno. So wird das doch nie was.
Irgendwie erinnert mich diese sogenannte Revolution in Ägypten an die sogenannte Revolution in der ehemaligen DDR, und das geht nicht nur mir so. Was wollen die Leute eigentlich - lassen sich jahrzehntelang unterdrücken und knechten, und irgendwann fällt ihnen ganz spontan ein, daß sie da keinen Bock mehr drauf haben. “Das Volk dürstet nach Freiheit, Sire!” - Freiheit, daß ich nicht lache. 1989 wollten sie “´N Fidiorekorder, ´n Golf Gti un´ Marlboro”, und heute blöken sie rum, wie scheiße hier alles ist.
Und diese ganzen Sandalenträger in Kairo haben doch auch bloß Angst, daß sie zu kurz kommen. Ich wundere mich ja nur, daß in so einem Land wie Ägypten anscheinend jeder Vize-Kesselflicker einen Internetzugang und einen Facebook-account hat. Dabei habe ich grad irgendwo gelesen, daß für die Ägypter der Lebensstil in der Türkei das große Vorbild wäre. In der TÜRKEI! It´s a mad, mad world.

Eigentlich wollte ich ja keine Zukunftsprognosen mehr machen, aber bei dieser hier liege ich mit Sicherheit nicht allzu falsch : In 10, 20 Jahren wird Ägypten genau so ein kommerzverseuchtes Land wie Doitschland, die USA und so weiter sein, an jeder Ecke wirds ein Starbuck und in jeder ehemaligen Moschee einen McD geben, und die älteren Leute werden meckern, daß früher irgendwie doch alles cooler war. Ich wette, daß die Konsum-Konzerne sich jetzt schon die Lefzen lecken und ihre Claims abstecken. Vielleicht wird Ägypten dann auch irgendwann in die EU aufgenommen werden, die dann allerdings wohl “Euro-afrikanische Union” heißen wird. Und irgendwann wird die ganze beschissene Welt aussehen wie heute jede gottverdammte Innenstadt in jeder bekackten westlichen Großstadt. Von wegen Freiheit, mein Arsch.  

Tja, mit militärischen Mitteln war dem Islam nicht beizukommen, also haben sie es mit Plan B gemacht - den Leuten so lange den geilen westlichen Lebensstil unter die Nase reiben, bis die den unbedingt auch haben wollten. Bei den Kommis hat das ja vorher auch schon bestens geklappt. Vielleicht war das ja auch einer der Gründe für die Invasionen im Irak und in Afghanistan : die Errichtung von Brückenköpfen für die eigentliche Eroberung, nämlich die durch Cola und Burger und den ganzen Scheißdreck. Mal sehen, wann es eine Formel 1-Rennstrecke in Bagdad und in Kabul gibt… Komisch, ich habe noch gar keinen blumigen Namen für den Ägyptischen Aufstand gehört, so wie “Orange Revolution” oder “Jasmin-Revolution”, aber daran arbeiten die bestimmt schon. A propos Jasmin, was ist denn eigentlich aus Tunesien geworden? Nichts mehr von zu hören, gibt nichts mehr her; ja gut, da hat sich gestern wieder mal eine Frau selbst abgefackelt, aber das reißt es nicht mehr : In Kairo zeigen sie Rumbarak ihre Schuhsohlen, da geht noch was! Und nächste Woche ist dann der Jemen oder die Elfenbeinküste oder was weiß ich dran. Hauptsache, es knallt und zischt.  

Ah ja, noch während ich das hier absondere, latscht die Geschichte schon mit Riesenschritten weiter - angeblich soll der olle Hoschi Kairo per Heli verlassen haben. Jo, falls es stimmt, dann war´s das für diese Baustelle, die Medien-Karawane kann weiterziehen; Ronald McDonald, übernehmen Sie.

Fisten auf freiem Feld

30. Januar 2011

Das Jahr 2011, so las ich eben in einem Forum, ist für die Chinesen ein sogenanntes Geldsackjahr, in dem die Kohle reichlich strömen soll. Der Januar enthält jeweils 5 Samstage, Sonntage und Montage, und diese Konstellation soll nur alle 823 Jahre vorkommen - kann ich zwar nicht verstehen, daß nur alle 823 Jahre der 1. Januar auf einen Samstag fallen soll, aber ich bin nun mal unterbelichtet, was Mathematik betrifft; und obendrein viel zu faul, um das nachzuprüfen.
Aber neugierig bin ich trotzdem, und so gebe ich mal den Begriff “Geldsackjahr” bei Google ein… bringt mich auch nicht viel weiter, aber ich stoße bei “Sprichwoerter.net” auf eine alte Weisheit : “Es hängt kein Geldsack hundert Jahr vor der Tür, aber auch kein Bettelsack.” Hmm… was soll mir das sagen…. der Geldsack wird genau so geklaut wie der Bettelsack? Oder : Ebenso bleibt niemand für immer reich wie für immer arm? Wahrscheinlich letzteres.
Unter der Geldsack-Weisheit werden verwandte Sprichwörter aufgeführt, und die Nummer 17 rettet mir schlagartig den Tag : “Er ist nicht zu kühn, der nicht fisten darf auf freiem Feld.” GAA-HA-HA-HA-HA-HA-HA-HAAAA! “ER IST NICHT ZU KÜHN, DER NICHT FISTEN DARF AUF FREIEM FELD”!!! Was zum Geier soll mir DAS sagen?
Aber auch da hilft die Allwissende Müllhalde, eine mögliche Erklärung zu finden, wenn man sie denn recht zu befragen vermag - die Eingabe des Suchbegriffes “Fisten” ergibt natürlich erstmal nur die naheliegende Bedeutung : “Fünf Finger im Po, Mexiko”. Grübel grübel…. der Spruch stammt sicher aus dem Mittelalter - da wurde bestimmt auch schon gefistet, was der Schließmuskel hielt, aber es gab bestimmt noch nicht diesen speziellen Ausdruck dafür; der soll ja, wie ich irgendwo mal gelesen habe, erst durch R.W. Fassbinder in den deutschen Sprachgebrauch, ääh, eingeführt worden sein. Also gebe ich mal “fisten mittelhochdeutsch  bedeutung” ein, und siehe da - im Bayerischen Wörterbuch, Teil 1, von Johann Andreas Schmeller, werde ich fündig : “feisten, fisten, stille Gedärmwinde gehen lassen…. engl. to fizzle…. Der Feist, Gedärmwind (engl. the fizz, franz. la veese)…. auch Feistbeutel,… Blindfist…. feisteln, fisteln, nach Fisten riechen… fistlaeulicht…, lauwarm wie ein Fist.”
Also hat es wohl doch was mit Arsch zu tun, und falls diese Bedeutung des Wortes “fisten” hier zutrifft, bedeutet das Sprichwort wohl in etwa : Aus einem verzagten Arsch lommt niemals ein fröhlicher Furz.
So, das hat mich nun eine gute Stunde Zeitaufwand gekostet - ich bin also doch gar nicht sooo faul, es ist nur eine Frage der richtigen Motivation.

Bernd das Kaviar-Brot ist tot.

26. Januar 2011

Was macht eigentlich so ein Filmproduzent, habe ich mich schon des öfteren gefragt (also abgesehen von koksen, saufen und rumvögeln), und mir gedacht : der wird wohl die Kohle für die Filmfinanzierung aufreißen und für die Vermarktung sorgen. Und genau das macht so ein Typ im allgemeinen auch, laut wikipedia.
Bernd Eichinger, der grad in Hollywood für immer das Kaviarlöffelchen weggelegt hat, war natürlich mehr als nur so ein Geldbeschaffer - er hat auch immer wieder seine künstlerischen Ambitionen in “seine” Filme eingebracht, an den Drehbüchern mitgeschrieben und so (viele Regisseure werden wahrscheinlich sagen : “hat sich ständig eingemischt”), und - na klar - gern die Hauptdarstellerinnen gebumst, z.B. Hannelore Elsner, Barbara Rudnik, Katja Flint und Corinna Harfouch.
“Seine” Filme, das waren neben - immerhin - “Der Name der Rose” und “Die Konsequenz” hauptsächlich Kotz-, Würg- und Brechstreifen wie “Das Superweib”, “Manta, Manta”, “Voll normaal”, “Ballermann 6″, “Der Schuh des Manitu” und zuletzt “Die Superbullen”. Fürwahr, ein großartiges Lebenswerk, und wirklich Grund genug dafür, daß nun anläßlich seines Todes halb Promi-Doitschland weinend zusammenbricht und auf allen Programmen permanent und penetrant über diesen tragischen Verlust berichtet wird.
`Die Nachricht vom plötzlichen Tod des Erfolgsproduzenten Bernd Eichinger hat die Münchner Promi-Szene am Dienstagabend geschockt. „Der Bernd war ein ganz Großer“, sagte ein sichtlich bewegter Ralph Siegel, der auf dem roten Teppich vom unerwarteten Tod des Produzenten erfuhr. „Es tut mir wahnsinnig Leid.“
Martin Krug, der Ex-Mann von Veronica Ferres, sagte, Eichinger habe Filmgeschichte geschrieben. „Er war einer der Größten in Deutschland.“
„Schrecklich, schrecklich. Ich möchte gar nichts mehr dazu sagen. Das ist fürchterlich“, sagte der Schauspieler Herbert Knaup. Und der Präsident der Spitzenorganisation der deutschen Filmwirtschaft (SPIO), Steffen Kuchenreuther, brachte zunächst nur ein „Ich bin völlig fertig“ über die Lippen.´ (Abendzeitung)

Was für ein ekelhafter Scheißhaufen eine Sorte von Mensch dieser “ganz Große” war, läßt sich ebenfalls der Abendzeitung entnehmen, die zu Eichingers 60. am 10.4.09 eine entlarvende Lobhudelei unter dem Titel “60 filmreife Storys zum 60.” abdrückte. http://www.abendzeitung.de/leute/98952

Unter anderem wird dort berichtet :

“13. Die Internats-Zeit ist schlimm, doch zum Rebellieren ist Eichinger zu klug.

21. Auf der Berlinale 2005 knutscht er mit Tom Gerhardts Frau Katharina leidenschaftlich zu später Stunde in der Garderobe.

22. Tom Gerhardts Manager sagt zur AZ: „Das war nur ein Party-Gag.“

27. Wenn er sich gut amüsiert, schmeißt er Gläser an die Wand.

28. Er geht ins Bordell – und steht auch dazu.

34. Er duzt Leo Kirch – und Christian Ude. 

45. Beim Deutschen Filmball ist er über 25 Mal Gast. Den längsten Tisch hat natürlich immer er. 

49. Lange ist er davon überzeugt, dass angesichts seines Lebensstils keine Frau darauf versessen sei, ihn zu heiraten.

57. Champagner aus einem Frauenschuh trinkt er heute eher selten.

58. Gläser an die Wand wirft er immer noch gern.”

Besonders hübsch finde ich, angesichts der Umstände :

“59. Christian Ude wünscht: „Möge Dir mit 60 ein wenig mehr Ruhe, aber gleichwohl Erfolg für Deine weiteren Filmprojekte beschieden sein. Jedenfalls wünsche ich Dir die nötige Gesundheit, Ausdauer und das Glück, alle Dir noch vorschwebenden Filmideen in die Tat umsetzen zu können.”

Bernd Eichinger ist tot, der Typ, der mal damit geprahlt hat, er würde nie Schuhe putzen, sondern diese wegschmeißen, wenn sie dreckig wären, und dann neue kaufen.

Ich bin so garnicht traurig über diesen Abgang, und zum Abschied möchte ich ihm nachrufen : Schön, daß Du tot bist; die Welt ist ein klein wenig besser ohne Dich. Traurig werden mich nur die Programmänderungen heute abend und in den nächsten Tagen machen. Was werden sie wohl zeigen aus dem Vermächtnis dieses ganz Großen? Vielleicht “Resident Evil: Extinction“.

 





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