Rache ist süß
3. September 2010Wenn man in den letzten Tagen mal durch Internet-Kommentarseiten klickt, so drängt sich einem der Eindruck förmlich auf, daß in Doitschland ein Volksaufstand unmittelbar bevorsteht. Ob tagesschau.de, spiegel-online, Welt-online, sogar beim Handelsblatt brüllen und geifern die Volksgenossen um die Wette. Hm, ich hab´ noch garnicht bei den Heise-Möchtegern-Intellektuellen reingeguckt… mal schauen… ja, seufz, da sind sie auch, wenn auch nicht mit einem ganz so hohen Prozentsatz. Und sogar zwischen den besserverdienenden Klugscheißern bei “Weissgarnix” treiben sich einige der Doitschland-Kläffer herum.
Tagesschau.de hatte zwischenzeitlich bei Meldungen in Sachen Sarrazin die Kommentarfunktion deaktiviert. Kaum erscheint wieder eine Meldung, die sich kommentieren läßt (”Nur Wulff könnte S. feuern”), geht die immergleiche Leier prompt wieder los. Bereits der erste Zerebral-Spastiker schreibt : “Welche Verfehlung - dass er sich traut die Realität zu benennen…. Politiker machen sich zum Handlanger der Muslime (scheinen gute Wählerstimmen zu sein)”, und der vierte (ein ganz besonders hirngeficktes Früchtchen, das sich “EricCartman” nennt) : “Juhu. Endlich mal wieder ein Thread zu Sarrazin, den man kommtentieren kann. Nach wie vor: In der Sache hat er recht…. Sollte er dennoch rausgeschmissen werden, macht er hoffentlich eine neue Partei auf und tritt bei Wahlen an. Meine Stimme hat er!” Und so weiter und so kotz-würg-brech. Ohne es mit seinen drei Hirnzellen überhaupt begreifen zu können, hat Cartman gesagt, um was es bei der ganzen Sache wirklich geht, jedenfalls den Schreihälsen und Recht-hat-er-Grunzern - endlich können diese Geisteszwerge ihren Kot überall ablassen und dabei sicher sein, daß fast alle anderen dieses Häufchen ganz toll finden. Endlich sind diese Flachzangen mal wenigstens in EINER Sache EINER Meinung.
Um was es dem Urheber dieses Zwergenaufstandes eigentlich ging und geht, ist mir heute erst klargeworden. Da mir die ganze Wirtschafts-Szene und ihre Machenschaften komplett am Arsch vorbeigehen und ich normalerweise alle Berichte darüber weiträumig umfahre, war mir überhaupt nicht klar, daß der Chef von Bundesbank und Gesichts-Baracke Sarrazin, Axel Weber, das Amt des Präsidenten der Europäischen Zentralbank anstrebt. Derselbe Axel Weber nun hat im Oktober letzten Jahres seinen Untergebenen Sarrazin schwer gedisst und degradiert, nachdem letzterer in einem Zeitungs-Interview über in Berlin lebende Ausländer hergezogen war. “Intern soll Weber Sarrazin bislang mit Verachtung seinen Zorn spüren lassen haben. Die Kommunikation zwischen beiden Vorständen soll sich derzeit auf das wesentlichste beschränken. Mit dem Entzug der Ressorts degradiert Weber seinen Vorstand innerhalb nun auch offiziell zur Randfigur.” heißt es in einem Bericht von Welt-online. Diesen ganzen Sarrazin-Hype hatten wir nämlich letztes Jahr auch schon mal, und die zahlreichen Kommentare zu besagter Meldung gleichen den aktuellen wie ein Gehweg voller Hundehaufen dem anderen. Insofern alles nix Neues.
Was liegt nun also näher, als hinter diesem Drecksbuch und einigen wohldosierten Provokationen Sarrazins den Rachefeldzug eines in seiner Eitelkeit schwer gekränkten Mega-Arschlochs zu sehen? Und, so ekelhaft und widerwärtig dieser menschliche Trümmerhaufen auch ist, man muß ihm doch lassen, daß er diesen Feldzug sehr schlau und geschickt eingefädelt und durchgezogen hat. Die “Financial Times Deutschland” berichtet am 2.9. : “Als Ende vergangener Woche erste Ausschnitte aus Sarrazins Buch öffentlich wurden, hatte Weber wohl noch gehofft, alles würde nicht so schlimm. Dies sei eine “private Angelegenheit von Herr Dr. Sarrazin”, ließ er mitteilen. Am Donnerstag flog er dann planmäßig ins US-Bergidyll Jackson Hole, zum alljährlichen Stelldichein der führenden Zentralbankchefs der Welt.
Als Sarrazin am Wochenende aber über das “jüdische Gen” schwadronierte und Kanzlerin Angela Merkel unverblümt Konsequenzen forderte, holte Weber die Debatte endgültig ein. Noch von Jackson Hole aus berief er eine Sondersitzung mit den übrigen vier Vorständen ein. ” Ha-ha-ha…
“Es geht aber auch um sein Renommee als Entscheider und Macher. Das hatte bereits in der Sarrazin-Debatte vergangenen Herbst gelitten - als er sich im Vorstand nicht mit der Totalentmachtung Sarrazins durchsetzen konnte. “Das hat an Webers Image einige Kratzer hinterlassen”, sagt ein guter Kenner von Europas Notenbankszene.” Hi-hi-hi….
“Und auch in Berlin mehren sich die Kritiker. Sowohl Kanzlerin Merkel als auch die Fraktionschefs von Union und FDP, Volker Kauder und Birgit Homburger, ärgerten die wiederholten Wortmeldungen und Belehrungen Webers in der Euro-Krise.” Ho-ho-ho…. Neben seinem verhaßten Chef bringt T.S. dann auch noch seine Noch-Partei in schwere Verlegenheit : Schmeißen sie ihn raus, verlieren sie haufenweise Wähler. Schmeißen sie ihn nicht raus, verlieren sie haufenweise Wähler. Der Regierung und speziell der Kanzlerin würgt er ebenfalls einen rein, und das nicht zu knapp. Und als kleine, aber feine Zugabe verkauft er sein beschissenes Buch wie nix Gutes UND erhält das, was Leute wie er brauchen wie die Luft zum Atmen : Aufmerksamkeit und Zustimmung. Alles in allem eine runde Sache, die einem widerwillige Bewunderung abnötigt.
Wenn sich diese miesen Halunken da jetzt nach Leibeskräften gegenseitig ins Knie schießen und in den Arsch fisten, dann ist das ja eigentlich ganz prima. Das Dumme an der Sache ist nur, daß diese Banditen mit ihren Intrigen da unter Umständen eine Entwicklung lostreten, die sie weder gewollt haben noch kontrollieren können.
Schon tauchen die ersten gedanklichen Verbindungen zwischen der Sarrazin-Affäre, Stuttgart 21 und Elbphilharmonie auf. Der Oberbegriff lautet “WIR sind das Volk und haben die Schnauze voll davon, daß die korrupten Politiker nie machen, was WIR wollen!” Mit diesem “Wir” ist jedoch keineswegs das ganze Volk gemeint, sondern hauptsächlich der Teil, der sich als Leistungsträger und -erbringer betrachtet. Zu Stuttgart 21 las ich grad irgendwo einen netten Artikel, in dem es um den Typen ging, der gegenüber der Öffentlichkeit dieses kranke Projekt zu vertreten hat. Da hieß es ungefähr - mit irgendwelchen Linken oder Öko-Fuzzis werde der spielend fertig; aber mit DIESER Art von Demonstranten, die vor der Tür ihren Porsche Cayenne stehen hätten, wäre es etwas ganz anderes. Mir kann doch keiner erzählen, daß ausgerechnet DIESE Vögel sich wirklich Gedanken um eine paar alte Bäume machen oder um ein denkmalgeschütztes Bahnhofsgebäude. Die sind bloß sauer, daß sie daran nichts verdienen und nichts davon haben. Als wenn die mit der Bahn fahren würden. Und Stuttgart, mal ehrlich - vor 20 Jahren war ich mal beruflich für zwei Wochen in der Gegend, und die Stadt war schon damals ein vollgeschissenes Klo. So ziemlich der letzte Ort, an dem ich leben oder wo ich sterben möchte. Da kommt es doch auf ein paar alte Bäume und einen alten Bahnhof nicht mehr an. Und daß da ein paar Milliarden für ein überflüssiges Projekt rausgeschmissen werden, das statt Probleme zu lösen nur neue schafft und möglicherweise sogar katastrophale Folgen haben könnte - na und? So läuft der Laden doch seit eh und je.
Und darum geht es auch überhaupt nicht - ich sage schon seit Jahren : Wenn es hierzulande mal einen Aufstand oder Bürgerkrieg geben sollte, dann fangen den nicht die “Armen” und Unterprivilegierten an, sondern die Geländewagenfahrer. Die haben ja auch die Ballermänner zu Hause im Waffenschrank. Möglicherweise sehen wir jetzt grade den Anfang davon. Nicht, daß es diesen Leuten schlecht gehen würde oder daß sie etwa nicht mehr genug Kaviar im Designerkühlschrank stehen hätten. Nein, nein, noch ist genug von allem da. Aber sie ahnen, daß es da in absehbarer Zeit doch gewisse Lieferengpässe geben könnte und wird. Jetzt haben sie und ihre Meinungsmacher und Lobbyarbeiter es schon irgendwie geschafft, bei der letzten Bundestagswahl ihre Wunschregierung zu installieren, und was ist? Anstatt das zu tun, wofür sie - gegen jede Vernunft - ins Amt gehievt wurden, eiern die da hin und her, haben immer noch nicht den Sozialstaat abgeschafft, noch immer keine AKW-Laufzeitverlängerung bis zum jüngsten Tag durchgesetzt, noch immer nicht die ganzen Schmalzlocken aus dem Land gekickt und was sich der Leistungserbringer noch so alles erträumt. Im Gegenteil haben sie es fertig gebracht, den Saftladen noch tiefer in den Keller zu wirtschaften, noch mehr Schulden zu machen und sich bei so gut wie allen so unbeliebt wie irgend möglich zu machen.
Am schlimmsten aber : Falls nicht ein Wunder geschieht, wird in spätestens drei Jahren eine Regierung im Sattel sitzen, die ihnen erst recht keinen Puderzucker in den Arsch blasen, sondern ihnen im Gegenteil mal so richtig in die Tasche greifen wird. Womöglich werden sogar die Linken mitregieren. Um Himmels Willen. Diese Leute haben, möglicherweise zum ersten Mal in ihrem Leben, Angst vor der Zukunft. Aus Angst wird schnell Wut. Mit Sarrazin haben die jetzt einen aus ihren Reihen gefunden, der ausspricht, was sie denken. Und jetzt können die endlich mal die Masken fallen lassen und die Contenance verlieren und die Sau rauslassen - zunächst nur verbal oder schriftlich, aber das kann sich schnell ändern…. was wäre zum Beispiel in diesem Land los, wenn da in Stuttgart bei einer Nobel-Demo ein paar Cayenne-Fahrer irgendwie zu Tode kämen? Oder wenn gar der Schutzpatron der Besserverdiener und doitschen Patrioten, Sankt Sarrazin, bei einem misteriösen Autounfall (angetrunken im Phaeton auf dem Heimweg nach Besuch einer Schwulenbar mit überwiegend aus Migrantenkreisen stammendem Publikum) ums Leben käme? (Gestern hom´s den Thilo derschlogn! Ihr Schweine!) Ja, dann wäre es vielleicht wirklich soweit.